So begründen Sie Lücken im Lebenslauf geschickt

Von Jan Wittenbrink, WELT ONLINE-Artikel (Mai 2019)

Studienabbruch, Arbeitslosigkeit, Krankheit: Ein Leben verläuft nicht immer geradlinig. Wer Lücken oder Brüche in seinem Lebenslauf stehen hat, sollte sie in Bewerbungen nicht verheimlichen, raten Experten. So gehen Sie klug damit um.

Früher war es oft einfach: Nach der Schule kam die Ausbildung in einem Unternehmen, und dann blieb man dort ein Leben lang. Heute wechseln viele Arbeitnehmer – freiwillig oder unfreiwillig – ständig den Job, haben vielleicht kurzfristige Verträge oder Nebenjobs und machen dazwischen ein Praktikum oder eine Weltreise. Im Lebenslauf entstehen Brüche und Lücken. Steht dann eine Bewerbung an, sind viele Menschen verunsichert.

„Lücken machen Personaler natürlich immer neugierig“, sagt der Bewerbungscoach Jürgen Zech von der Agentur Make-it-better. Ein Ausschlusskriterium seien sie aber nicht. Nach Abschluss des Studiums sei eine „Sucharbeitslosigkeit“ von einigen Monaten in vielen Fällen sogar ganz normal.

Geht es nach der Karriereberaterin Viola Hoffmann-Scheurer, ist beim Umgang mit Lücken vor allem Ehrlichkeit gefragt. Sie war jahrelang in der Personalabteilung des französischen Autokonzerns PSA tätig und hat in ihrem Leben schon unzählige Lebensläufe gelesen. „Man will mit dem Arbeitgeber ja möglichst eine langfristige Beziehung eingehen. Wenn man dann schon am Anfang nicht ehrlich miteinander umgeht, kann das nicht funktionieren“, sagt sie.

Krankheit und private Probleme: Ehrlichkeit hilft

Das zeigt auch eine Befragung der Personalvermittlung Robert Half aus dem Jahr 2017. Demnach haben 71 Prozent der befragten Personaler schon mal Bewerber aussortiert, weil falsche Angaben im Lebenslauf aufgeflogen sind.

Deshalb sind Jobsuchende besser beraten, längere Lücken nicht zu vertuschen, sondern zu erklären. „Sie sollten nicht zu viel Energie aufbringen, den Lebenslauf zu beschönigen, sondern den Blick lieber auf dessen Stärken lenken“, sagt Hoffmann-Scheurer. Spätestens beim Vergleich der Daten mit den Arbeitszeugnissen fielen längere Lücken sowieso auf. Sehe sie eine längere Pause im Lebenslauf, suche sie im Anschreiben nach einer Erklärung.

Solche Erklärungen können auch private Probleme oder Krankheiten sein. Eine Pause wegen einer schweren Erkrankung werde immer akzeptiert, sagt die Personalberaterin. Auch die Pflege von Angehörigen sei ein nachvollziehbarer Grund für eine Lücke im Lebenslauf.

Aber auch für andere Pausen gibt es Erklärungsmöglichkeiten. Der Bewerbungscoach Sven Emmrich vom Coaching-Portal „Karrierehelden“ empfiehlt, sich beim Schreiben des Lebenslaufes selbst in Erinnerung zu rufen, wie genau man die Zeit der vermeintlichen Lücke verbracht hat. Die wenigsten säßen schließlich nur herum und täten nichts. „Vielleicht hat man sich durch Lesen weitergebildet. Vielleicht hat man auf Reisen eine Sprache gelernt“, sagt Emmrich. „Oder es war einem einfach wichtig, sich Zeit für die Familie zu nehmen.“ Auch das könne von Personalern durchaus anerkannt werden.

Arbeitslosigkeit und Studienabbruch: Geschickte Formulierungen finden

Solche Erklärungen könnten in kurzer Form bereits im tabellarischen Lebenslauf untergebracht werden, ausführlicher dann im Anschreiben. Auch in diesem Fall sollte man jedoch bei der Wahrheit bleiben: Einen reinen Partyurlaub als Bildungsreise zu verkaufen ist wenig überzeugend.

Wer in eine Phase der Arbeitslosigkeit gerät, versucht am besten schon währenddessen, die Zeit sinnvoll für sich zu nutzen. „Bahnt sich eine Lücke durch eine absehbare Kündigung an, sollte man sich Gedanken über eine sinnvolle Fortbildung machen oder über eine Nebentätigkeit oder Selbstständigkeit im kleinen Umfang nachdenken“, sagt Bewerbungscoach Zech. Optimal sind Tätigkeiten, die genau zum angestrebten Berufsfeld passen.

Auch geschickte Formulierungen können helfen, Lücken im Lebenslauf weniger negativ erscheinen zu lassen. „Arbeitssuchend“ klingt besser und aktiver als „arbeitslos“, „berufliche Neuorientierung“ wirkt besser als „Arbeitslosigkeit“. Wer gekündigt wurde, sollte im Lebenslauf direkt den Grund mit angeben, beispielsweise „betriebsbedingte Kündigung durch Unternehmensinsolvenz“. Auch Brüche im Lebenslauf wie etwa ein Wechsel des Studiengangs oder der Ausbildung müssen kein Problem sein. „Kein Leben verläuft perfekt“, sagt Beraterin Hoffmann-Scheurer.

Hinzu kommt: Wer einmal einen neuen Weg eingeschlagen hat, weiß hinterher womöglich besonders gut, was er will – auch das kann Personaler überzeugen. Genau diesen Punkt sollten Bewerber, die sich im Laufe des Lebens umorientiert haben, im Anschreiben und im Bewerbungsgespräch dann auch besonders betonen.

Menschen mit Brüchen im Lebenslauf nicht weniger gewissenhaft

Bewerbungscoach Sven Emmrich empfiehlt, die vermeintlichen Brüche im Lebenslauf möglichst gut auf die gewünschte Stelle auszurichten. Vielleicht habe jemand mal ein Praktikum in einer Branche gemacht, die auf den ersten Blick gar nicht zum angestrebten Job passe.

Dann solle man sich fragen: „Welche Fähigkeiten habe ich dort trotzdem gelernt, die mir im jetzigen Job nützen können?“ Diese sollten dann im Lebenslauf besonders hervorgehoben werden.

Ein Lebenslauf mit Lücken und Brüchen ist also kein Grund zur Verzweiflung. Eine Studie der Hochschule Osnabrück ergab bereits 2014, dass es nur geringe Zusammenhänge zwischen Lücken im Lebenslauf und Persönlichkeitsmerkmalen gibt.

Personen, die in ihrem Leben eine Phase der Arbeitslosigkeit hatten, erwiesen sich in der Untersuchung nicht als weniger gewissenhaft als andere. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass Personaler mit hoher Wahrscheinlichkeit Fehlentscheidungen träfen, wenn sie Bewerber allein aufgrund eines lückenhaften Lebenslaufes aussortierten.

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